Förderung von Migrant/innen im Handwerk
Das Hamburger Handwerk steht vor zwei großen Herausforderungen: Einerseits wird der Anteil der Erwerbstätigen und der Auszubildenden durch die demografische Entwicklung in den nächsten Jahren weiter drastisch zurückgehen. Andererseits liegt der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund in Hamburg (Mikrozensus 2009) bereits heute bei 27%, Tendenz weiter steigend. Denn bei den unter 18-Jährigen beträgt der Anteil von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Hamburg heute fast 50%. Die Arbeitslosenquote dagegen liegt in Hamburg bei 8,6%. Der Anteil von Ausländern unter den arbeitslosen Erwerbspersonen in Hamburg dagegen lag im Dezember 2010 bei 24,3 %.
Diese Entwicklungen stellen einen wichtigen Aspekt dar, aber Migration und Handwerk haben auch eine lange gemeinsame Geschichte. Hochqualifizierte Handwerkerinnen und Handwerker gehören seit Jahrhunderten zu den mobilsten Gruppen auf den europäischen Arbeitsmärkten.
Aus diesen Gründen bemüht sich die Handwerkskammer Hamburg intensiv darum, mehr Menschen mit Migrationshintergrund ins Hamburger Handwerk zu integrieren und ihnen Aufstiegschancen zu eröffnen.
In Hamburg vertritt die Handwerkskammer, als Selbstverwaltungsorganisation des Handwerks, über 15.000 Betriebe mit rund 129.000 Beschäftigten. Damit ist das Hamburger Handwerk der größte Arbeitgeber der Stadt.
Von den 15.000 registrierten Handwerksbetrieben in Hamburg haben nach Schätzung der Handwerksrolle ca. 30% der Betriebe einen Inhaber mit Migrationshintergrund. Mehr als ein Viertel (26,5 %) der neuen Lehrlinge bzw. rund 30% der Lehrlinge, die ihren Schulabschluss in Hamburg erworben haben, haben einen Migrationshintergrund.
Dieses hohe Potenzial in den eigenen Reihen muss uns noch viel stärker als bisher bewusst werden. Deswegen erproben wir zahlreiche Aktivitäten, die wir auch anderen Kammern zur Verfügung stellen können.
Potenziale entdecken - Nachqualifizierung im Handwerk
Überproportional viele Migrantinnen und Migranten in Deutschland sind im Niedriglohnsektor beschäftigt. Viele von ihnen weit unter ihrem eigentlichen beruflichen Qualifikationsniveau. Damit die mitgebrachten Kompetenzen in Deutschland nicht länger brachliegen, sondern auf dem deutschen Arbeitsmarkt nutzbar werden, unterstützt sie das NOBI-Teilprojekt Nachqualifizierung im Handwerk für Migrantinnen und Migranten.
Nachqualifizierung im Handwerk entwickelt und führt speziell auf die Bedürfnisse der Zielgruppe abgestimmte Qualifizierungen durch: Kombinierte Lehrgänge aus fachlicher Qualifizierung und integrierter Sprach- und Lernförderung führen zum Erwerb einer Teilqualifikation oder eines Berufsabschlusses im Handwerk.
Alle Informationen unter: www.missionzukunft.elbcampus.de
Für's Handwerk ausbilden
Das Projekt „MIAH – Mehr Integration durch Ausbildung im Handwerk“ (gefördert durch den ESF und die FHH) berät und unterstützt Unternehmer mit Migrationshintergrund, die ausbilden möchten. Ein Schwerpunkt liegt in der Begleitung der Betriebsinhaber/innen bis zur Erlangung der Ausbildungsberechtigung.
Weitere Informationen finden Sie hier...
Beide Seiten verbinden - Job- und Personalsuche vereinfachen
Um die Arbeitgeber der Stadt mit den Menschen auf Jobsuche zusammenzubringen, wurde „Job-Kontakt. Die Jobmesse für Migranten in Hamburg“ ins Leben gerufen.
Viele Hamburger Firmen nutzen die Messe zum Kennenlernen und Rekrutieren von Personal mit Migrationshintergrund.
Am 28. Oktober 2011 fand die Messe zum vierten Mal am ELBCAMPUS, dem Kompetenzzentrum der Handwerkskammer Hamburg, statt.
Weiter Informationen unter: www.job-kontakt-hamburg.de
Ethnomarketing etablieren
Mit dem Ziel, Migrantinnen und Migranten stärker anzusprechen und als "Kunden" zu gewinnen, erprobt das Projekt „Nachqualifizierung im Handwerk“ seit 2011 am ELBCAMPUS, dem Kompetenzzentrum der Handwerkskammer Hamburg, Instrumente des Ethnomarketings.
Mit der Kampagne "Handwerker - Agenten des Alltags" sollen Menschen mit Migrationshintergrund motiviert werden, sich beruflich im Handwerk zu orientieren.
Projektflyer im Agenten-Design
Mitarbeiter schulen - Beratung und Kommunikation verbessern
Um Menschen mit Migrationshintergrund für das Handwerk gewinnen zu können, müssen auch die eigenen Kolleginnen und Kollegen gut geschult werden.
Aus diesem Grund haben wir interkulturelle Schulungen entwickelt.
Zum Beispiel: Sensibilisierung für kulturelle Orientierungen und interkulturelle Kommunikation, Diskriminierung erkennen und handeln, Fallberatung und Coaching im interkulturellen Kontext, Marketing für die Zielgruppe Migrantinnen und Migranten / Ethno-Marketing oder das Seminar Sprachsensibilisierung für Dozenten der beruflichen Bildung im Umgang mit der Zielgruppe Migranten.
Seit 2011 finden diese Seminare im Rahmen der Mitarbeiter/innen-Fortbildung an der Handwerkskammer Hamburg statt.

